Der kleine Big Appel oder ein neuer Stern am Marathonhimmel

Berlin, London, New York, Tokyo, Boston und Chicago sind die grössten Marathons der Welt. Wer alle sechs absolviert, gehört zu den Six Stars und erhält eine besondere Auszeichnung.
Berlin, London und New York gehören zum «Standard» eines Marathonläufers. Diese drei dürfen nicht fehlen im Palmares. Für meinen 60. Marathon liess ich mir etwas Spezielles einfallen. Damals meldete ich mich für den Tokyo – Marathon an. Im Februar 2017 war es soweit. Zwei Jahre später entschieden wir uns mit meiner Frau einmal nach Boston zu fahren um dort den berühmten Boston – Marathon zu laufen. Boston ist vor allem für den Bombenanschlag von 2013 berühmt geworden. Nach dem auch dieser erfolgreich absolviert worden war, fehlte von den sechs grossen nur noch Chicago. Somit meldete ich mich im Jahr 2020 auch noch für den Sechsten an. Leider konnte der Marathon wegen Corona in diesem Jahr nicht durchgeführt werden. Zum Glück konnte die Anmeldung auf das Folgejahr verschoben werden. Aber auch im Jahr 2021 war eine Teilnahme nicht möglich, da die USA eine Quarantäne von 10 Tagen für Europäer verfügt haben. Dadurch musste ich mein Vorhaben nochmals um ein Jahr verschieben. Endlich am 6. Oktober war es soweit. Nach längeren, gezielten Vorbereitungen mit zahlreichen Trainingskilometern ging es los Richtung Chicago.

Die Voraussetzungen waren vielversprechend. Für Sonntag, 9. Oktober waren die Wettervorhersagen ideal. Bereits um 05.00 Uhr war Tagwache, da der Start auf 07.30 Uhr angesagt war. Zum Glück befand sich unser Hotel nur wenige 100 m vom Startgelände entfernt. Problemlos konnte ich mein Startsektor finden, nachdem ich das Gepäck im entsprechenden Zelt abgegeben habe. Die Temperatur war mit 7°C eher kühl. So entschied ich mich am Anfang mit Mütze und Handschuhe zu laufen. Meine Frau wartete auf der Strecke bei km 3. Dort konnte ich beides abgeben. Die Strecke führt durch den «kleinen Big Appel» wie Chicago – neben New York – bezeichnet werden kann, an zahlreichen markanten Plätzen und illustren Quartieren vorbei. Mehrmals überquerten wir den Chicago–River. Hundertausende von Zuschauern säumten die Strassen und feuerten uns an. Gelegentlich wünsche ich mir etwas mehr Ruhe, anstelle der kreischenden und schreienden Zuschauer. Kurz vor dem Halb-Marathon erwartete mich wieder meine Frau mit Verpflegung. Dort konnte ich mich auch noch den Ärmlingen entledigen, die ich wegen der steigenden Temperaturen nicht mehr benötigte.
Ich fühlte mich sehr gut und konnte mein Tempo auf der gesamten Strecke durchziehen. Auch die zweite Streckenhälfte führte durch interessante Quartiere mit tausenden von Zuschauern. Auf den letzten 10 km lief ich sehr gut. Ich verspürte kaum Probleme oder irgendwelche Schwierigkeiten. So konnte ich das Tempo bis zum Schluss halten. Der Zieleinlauf im Grand Park nach 3.15 h war sehr speziell und emotional. Vor allem als ich beim entsprechenden Stand die grosse Medaille für die Six Stars – also für die Absolvierung der sechs Weltgrössten Marathons – erhielt war für mich ein spezieller Moment. Das erlebt ein Marathonläufer nur einmal im Leben. Ein Filmteam, mehrere Fotographen waren vor Ort und dazu durfte ich noch ein Interview geben. Das war wirklich ein Höhepunkt und ein besonderes Ereignis.

Unmittelbar nach dem Zieleinlauf wurde ich auf dem 5. Rang von gegen 450 Läufer in der Kategorie 65 – 69-jährige geführt. Allerdings musste ich feststellen, dass der «Sieger» in unserer Kategorie den Lauf nicht korrekt absolviert hat. Die Zeiten auf der zweiten Streckenhälfte sind nicht realistisch. Somit darf ich mich über den sehr guten 4. Rang freuen und bin stolz auf meine Leistung. Chicago war definitiv eine Reise wert und ein sehr schönes und wertvolles Erlebnis.

Jakob Etter, Treiten.

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