75 km Wald und kein Ende

Zusammen mit gegen 3000 Läuferinnen und Läufer stehe ich am Samstagmorgen um 06.00 Uhr auf dem grossen Marktplatz von Eisenach mit dem Ziel in den nächsten Stunden die 75 km des traditionellen Rennsteiglaufs nach Schmiedefeld zu absolvieren. Das Wetter ist eher kühl, in der Nacht hat es geregnet. Im Startgelände herrscht eine eigenartige Stimmung. Trotz der vielen Leute herrscht fast beängstigende Stille. Plötzlich wird aus einem Lautsprecher das berühmte Rennsteig – Lied angestimmt. Die ganze Läuferschar stimmt in den Chor mit ein und singt aus voller Kehle. 
Kaum ist der letzte Ton verstummt, hören alle die 6 Schläge der Münsterglocke. In diesem Moment fällt der Startschuss zu diesem Ultra – Marathon. Das gesamte Läuferfeld setzt sich in Bewegung durch das enge Stadttor. Nach den ersten Steigungen in der Stadt verzieht sich die bunte Läuferschlange in den unendlichen Thüringerwald. Ohne die Streckenmarkierung hätte ich kaum eine Chance, den Ausgang aus diesem endlosen Wald wieder zu finden. 
Die Strecke führt zum Teil über steinige Wege, Waldpfade aber auch über steile Treppen hinauf oder hinunter, was den Lauf nicht einfacher macht.
Das Läuferfeld zieht sich immer weiter auseinander. Schon bei Halbzeit bin ich Abschnittsweise alleine auf dem Parcours. Vereinzelt verlässt die Strecke den Wald für kurze Zeit und traversiert ein kleines Dorf oder nur eine grössere Waldlichtung. Trotz der tiefen Temperaturen erwartet uns jeweils eine grössere Schar von Zuschauern und feuert uns kräftig an mit Musik, Gesang und Rhythmusinstrumenten. Die Verpflegung lässt kaum Wünsche offen. Bei verschiedenen warmen und kalten Getränken über Früchte, Käse, Speck, Schokolade bis zu Reisküchlein können wir uns bedienen.
Nach einem letzten steilen Abstieg ertönen bereits die Musik und die Lautsprecher von der Zielankunft in Schmiedefeld. Die letzten zwei Kilometer sind noch zu bewältigen. Jetzt wird klar, wer noch Reserven hat und wer sein Pulver schon vorher „verschossen“ hat.
Nach 6h 38 Min. erreiche ich als 7. meiner Altersklasse das Ziel vor dem zahlreich anwesenden Publikum. Der Zieleinlauf wird für mich zu einem speziellen Erlebnis, da der Speaker mich persönlich kennt, empfängt er mich mit einem besonderen Gruss als Präsident des Bieler 100 km – Laufs. Die erste Teilnahme an diesem legendären Ultra – Langstreckenlauf hat sich für mich zweifellos gelohnt. Die zahlreichen Trainingskilometer haben sich während dem Lauf ausbezahlt.
Jakob Etter, Treiten

 

Eine Antwort zu “75 km Wald und kein Ende”

  1. Karsten

    75 km sind der Wahnsinn! wow.

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