Two Oceans Ultra Marathon

twoOceanslogoLaufen ist im südlichen Afrika genau so populär wie bei uns. Zwei Ultra Marathons dominieren den Laufkalender im südafrikanischen Herbst. Bereits seit 1921 findet der Comrades Ultra Marathon zwischen Pietermaritzburg und Durban statt und ist damit älter als der Murtenlauf.

1970 starteten 23 Läufer in Cape Town zum ersten Two Oceans Ultra Marathon über 56km. Was als Vorbereitung für den Comrades gedacht war, entwickelte sich während den letzten 47 Jahren zu einem der schönsten Ultra-Läufe der Welt.

twoOceansStrecke

Die Strecke führt vom Stadtteil Newlands hinter dem Tafelberg Richtung Muizenberg. Dann dem Indischen Ozean entlang um bei Fish Hoek die Kap-Halbinsel an den Atlantik zu queren. Bei Streckenhälfte beginnt der spektakulärste Teil über den Chapman’s Peak Drive bis Hout Bay. Hier erwartet die Läufer der Anstieg über das Constantia Neck und dann die letzten 8 km bis ins Ziel bei der Universität von Kapstadt.

Die 11‘000 Startplätze für den Ultra und die 16‘000 für den Halbmarathon sind jeweils bereits Wochen vor dem Start ausgebucht. Am Lauftag herrscht Ausnahmezustand und Zehntausende Zuschauer feuern die Läuferinnen und Läufer an.

Seit einigen Jahren spukte bei run&walk der Gedanke rum, einmal an den Two Oceans zu reisen. Im Herbst letzten Jahres wurde es konkret. Rasch war ein Programm ausgearbeitet und die langen Trainings während der Wintermonate sollten uns auf das Rennen vorbereiten. Schliesslich machten sich in der Woche vor Ostern 8 Personen auf die lange Reise. 4 Ultra Marathonis, 1 Halbmarathoni und 3 Begleiter wollten am Ostersamstag ihr Bestes geben. Die Vorbereitung mit leichten Trainings, Laufexpo besuchen und Startnummer abholen sowie einer Streckenbesichtigung im Auto liessen die Vorfreude aufs Rennen immer grösser werden. Einzig die Hitze bis 28 Grad und Windgeschwindigkeiten bis 50 km/h trieben uns Sorgenfalten auf die Stirn. Aber Petrus hatte ein Einsehen und liess es in der Nacht auf Samstag kräftig regnen. Punkt 06h30 beim Start zum 47. Two Oceans Ultra Marathon stoppte der Regen und wir profitierten während des ganzen Laufs von bedecktem Himmel und angenehmen Temperaturen.

Bereits um 06h00 hatte sich Fritz Morgenegg auf die 21 km Strecke gemacht. Er walkte die Halbmarathondistanz knapp unter drei Stunden. Dass er dann für den Weg ins Hotel ungefähr die doppelte Zeit brauchte ist eine der vielen Geschichten, über die wir heute schmunzeln.

Wir vier Langstreckler Eva Kissling, Jakob Etter, Erwin Fuhrer und Bernhard Müller mussten uns im riesigen Starterfeld ganz hinten anstellen, da wir keine Qualifikationszeit über die Marathonstrecke vorweisen konnten. Vor dem Kanonenschuss sangen alle zusammen Shosholoza und die südafrikanische Hymne Nkosi Sikelel‘ Iafrica (God Bless Africa). Uns lief es kalt den Rücken runter und verstohlen wischten wir eine Träne aus den Augen. Das isiZulu Wort Shosholoza bedeutet „Mutig nach vorn schauen“ oder „Wir greifen an“. Es wurde von den Ndebele Minenarbeitern beim Einfahren in die Grube gesungen und sollte natürlich auch für uns beim heutigen Lauf Gültigkeit haben.

Obwohl auch am Two Oceans mit Chip gelaufen wird, gilt für alle Läufer in der Rangliste und bei den Cut-offs bei Rennhälfte und dann vor allem im Ziel die Bruttozeit vom Startschuss bis zum Überqueren der Ziellinie. Wir benötigten gut 5 Minuten bis wir endlich die Startlinie passierten und dann einige Kilometer bis wir unser anvisiertes Renntempo laufen konnten. Bei km 12 sahen wir von weitem die Schweizer Fahne unserer Begleiter Ruth, Margrit und Thomas. Allen lief es zu diesem Zeitpunkt noch sehr gut, wir verpflegten uns kurz und machten uns mit vielen aufmunternden Worten versehen auf die verbleibenden Kilometer. Nachdem wir auf der Rückseite des Tafelbergs lange auf einer endlosen Hauptstrasse liefen, erreichten wir bei Muizenberg (km 16) den Indischen Ozean. Nach weiteren 5km verliessen wir bei Fish Hoek die Küste und durchquerten die Kap Halbinsel in westlicher Richtung zum Atlantik.

Dank den Fahr- und Orientierungskünsten von Thomas profitierten wir auf halbem Weg erneut von der Unterstützung unserer Begleiter. Wir tankten frische Energy-Gels und Moral. Die erste, praktisch flache Streckenhälfte hatten wir in 2h40min zurückgelegt. Erstaunlicherweise lagen alle vier Läufer bei km 28 nur gerade eine Minute auseinander.

Vor uns lag jetzt der schönste Teil des Two Oceans Marathons, die über 5km ansteigende Küstenstrasse bis zum Chapman’s Peak auf 260 m.ü.M. und anschliessend weitere 5km hinunter nach Hout Bay. Rechts aufragende Felsen und links unter uns die tosenden Atlantikwellen, die gegen die Küste schlugen. Der Anstieg ab Hout Bay auf Meereshöhe zum Constantia Neck 290 m.ü.M. war für viele das eigentliche Pièce de résistance. Einmal auf dem höchsten Punkt trafen wir zum dritten Mal unsere Begleiter und hier war vor allem Moral tanken angesagt. Immer noch verblieben 8km bis ins Ziel. Der Weg durch Wälder und Alleen hinunter zum Finish wurde immer wieder durch Gegenanstiege unterbrochen. Also kein gemütliches Ausrollen, sondern „krampfen“ bis ins Ziel.

Alle Läufer wurden im Ziel frenetisch begrüsst, vor allem natürlich die beiden Sieger aus Südafrika  – Mike Fokoroni in 03h13:33 bei den Männern und Caroline Wöstmann in 3h44:44 bei den Frauen.

Jakob hatte sich nach der Verpflegung bei Streckenhälfte als erster wieder auf den Weg gemacht und lief bis ins Ziel sein Tempo durch. Eva, Erwin und Bernhard hatten ab dem Chapman’s Peak Drive einige Schwierigkeiten zu überwinden. Die durchgehend asphaltierte, unebene und mit einer Unzahl von aufgesetzten Rückstrahlern (in Südafrika heissen sie Cat Eyes – Katzenaugen) versehene Strecke forderte ihren Tribut.

Trotzdem konnten wir uns im Ziel über Eva’s fantastischen 3. Rang in der Kategorie W60 in 5h41min freuen. Weit vorne platzierte sich auch Jakob. Er belegte bei den M60 den ausgezeichneten 27. Rang in 5h26 und Bernhard wurde in 5h56 in der gleichen Kategorie 70. von 359 Gestarteten. Wie eingangs erwähnt sind das die Bruttozeiten – die Netto Laufzeiten sind noch 5 – 6 Minuten besser.

Der Lauf lieferte natürlich Stoff für ausgedehnte Analysen, Diskussionen und freundschaftliche Sticheleien. Die Tage nach dem Lauf erholten wir uns in Kapstadt und auf der Garden Route nach Port Elizabeth. Mit den letzten Tagen in einem wunderschönen Country House und einem Game Drive im Addo Elephant Park ging das Abenteuer Two Oceans Marathon für uns runner&walker zu Ende. Eine Reise ins südliche Afrika, die unsere Erwartungen weit übertraf und uns ein unvergessliches Lauferlebnis bescherte.

 

twoOceansTeilnehmer