Am Samstagmorgen versammelten sich 20 Läuferinnen und Läufer auf dem Bahnhofplatz in Kandersteg. Das Gepäck konnte in einen Bus verladen werden. Für den Lauf nahmen wir Getränke, Sportlerverpflegung und ein Ersatz T-Shirt im Läuferrucksack mit.
Unter der Leitung von Dan Übersax und Luzia Schmid startete die Gruppe zur ersten Etappe Richtung Gasterntal. Dort bogen wir rechts ab und nahmen den Aufstieg nach Sunnbühl in Angriff. Oben angekommen führte der Weg mehr oder weniger gemächlich Richtung Schwarenbach zum ersten Halt. Nach einer Stärkung ging der Lauf weiter dem Taubensee entlang über den Gemmipass die steile Rampe hinunter nach Leukerbad zu unserem ersten Etappenziel. Diese Etappe ging über gut 21 km und war mit etwa 1200 Höhenmeter gespickt. Im Hotel Astoria in Leukerbad richteten wir für zwei Tage unser Lager ein.
Der folgende Tag begann wieder bei strahlend schönem Wetter. Die Gruppe startete Richtung Flühalp über zahlreiche Stege und mehrere Hängebrücken. Der Weg führte immer dem Bach Dala entlang bis zu einer Felsenkappele. Dort machten wir einen kurzen Fotostopp bevor es auf der anderen Bergflanke Richtung Torent zurück ging. Durch wunderbare Lärchenwälder über schöne Wanderweg führte uns der Weg nach knapp 20 km und 1000 Höhenmeter wieder zurück nach Leukerbad in «unser» Hotel. Einige genossen ein Bad im Solbad um die angespannten Muskeln etwas zu lockern.
Am dritten Tag verliessen wir Leukerbad und stiegen auf der gegenüberliegenden Seite Richtung Westen. Unser heutiges Ziel war der Ferienort Crans Montana. Die Strecke führte über einen wunderschönen Höhenweg mit einem fantastischen Blick ins Rohnetal. Im Cave de sex (das Restaurant heisst gleich wie der nahliegende Berg) kehrten wir ein um uns für den Rest der Strecke zu stärken. Auf dem Höhenweg begegneten wir mehrmals den typischen Eringerkühen auf den Weiden, welche auch als Kampfkühe eingesetzt werden. Diese Kühe waren jedoch friedlich. Wir stellten fest, dass sie den Umgang mit Wanderern bzw. Läufern gewohnt sind. Nach fast 25 km und einer Höhendifferenz von 1500 m erreichten wir unser Etappenort. Einmal mehr hat sich die Tatsache bestätigt, dass der dritte Tag bei solchen Mehretappenläufen der schwierigste und der härteste ist. Der Aufstieg auf über 2000 m hat mir echt Mühe bereitet.
Am Dienstagmorgen starteten wir in zwei Gruppen zur letzten Etappe zurück ins Berner Oberland. Nach einem kurzen Aufstieg folgten wir längere Zeit den Suonen. (Wasserläufe für die Bewässerung der Weiden und Felder). Die Strecke war wunderbar und führte ohne grosse Anstrengung den Felsen entlang bis zum Lac de Tseusier, einem wunderschönen Stausee auf etwa 1800 m ü. M. Auf dem Weg um den See besuchten wir einen eindrücklichen Wasserfall bevor wir den endgültigen Anstieg bis zum höchsten Punkt der ganzen Tour, dem Rawylpass auf knapp 2500 m ü M attackierten. Auf dieser Höhe mussten wir unsere Windjacken anziehen, da uns ein kühler Wind erwartete. Nach einem kurzen Stopp und einigen Fotos von der wunderbaren Alpenregion nahmen wir den steilen Abstieg bis zum Restaurant Iffigenalp in Angriff. Der Weg war recht schön aber sehr anspruchsvoll. Er verlangte volle Konzentration. Im Restaurant stärkten wir uns für die restlichen 8 km bis zu unserem Ziel an der Lenk. Diese letzte Etappe war nicht nur mit fast 32 km die längste sondern mit fast 2000 Höhenmeter auch die anspruchsvollste. Im Gegensatz zum Vortag lief es mir wieder hervorragend. Vor allem der letzte Abschnitt der Simme entlang nach Lenk war ein besonderer Leckerbissen.
Wie bereits auf der gesamten Tour war die Ankunft perfekt organisiert. Wir konnten im Schwimmbad an der Lenk duschen und zur Lockerung der Muskeln ein Bad geniessen. Nach dem die Flüssigkeitsspeicher aufgefüllt waren, traten alle individuell die Heimreise an. Damit ging eine wunderbare und sehr gut geführte Tour über fast 100 km und gegen 6000 Höhenmeter zu ende. Einmal mehr war das ein fantastisches Erlebnis mit Megajoul, das wohl niemand von den Teilnehmenden missen möchte. Obwohl ich mit Abstand der älteste Teilnehmer war, lasse ich offen, ob das meine letzte Teilnahme war. Solche Erlebnisse haben Suchtpotential! Vielen Dank allen Teilnehmenden und vor allem den Organisatoren der Tour Dan, Luzia und dem Fahrer Rolf!

Treiten, 14. Juli 2020
Jakob Etter, run and walk Kerzers

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